25
Aug
2010

Aktenzeichen XY undiskriminiert: Anonyme Bewerbungen auf dem Prüfstand

Und schon wieder ist es passiert: “Job Sauerei! Sekretärin mit 49 zu alt!” So titelt die BILD heute und deckt damit nach der Ossi-Frau erneut einen Fall von unerlaubter Diskriminierung bei der Auswahl von Bewerbern auf. Nun, man könnte es sich jetzt leicht machen und sich insgeheim köstlich amüsieren über die Schusseligkeit der Personaler, die Unterlagen mit entlarvenden Vermerken an die Bewerber zurück schicken. Man kann sicher auch nicht leugnen, dass die Qualifikation allein nicht ausschlaggebend dafür sein kann, ob ein Bewerber für eine zu besetzende Position geeignet ist. Schließlich muss auch gewährleistet sein, dass der Kandidat sich gut ins Team integrieren lässt. Hier entscheidet also nicht selten die berühmte “Chemie”.  Das ist u.a. eine der Fragen, die es im Vorstellungsgespräch zu klären gilt.

Doch vor das Vorstellungsgespräch hat der liebe Gott das Sichten von Bewerbungen und auswählen der zum Gespräch zu ladenden Kandidaten gesetzt. Und hier stellt sich tatsächlich die Frage: Brauche ich für diese Erstauswahl Informationen wie Geschlecht, Alter, Nationalität, etc.? Der Spiegel berichtet heute von einem löblichen Experiment: Fünf Firmen testen ab Herbst anonyme Lebensläufe für die Bewerberauswahl. Ernüchternd daran ist allerdings, dass die Deutsche Post, die Telekom, L’Oréal Deutschland, die Mydays GmbH sowie der Konzern Procter und Gamble als einzige unter 30 von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes angefragten Unternehmen bereit waren, an  diesem einjährigen Experiment teilzunehmen.  Immerhin: Auch die Bundesagentur für Arbeit will ab Mitte nächsten Jahres Bewerbern die Möglichkeit bieten, die Übermittlung von Alter und Geschlecht zu verhindern.

Ich bin ehrlich gesagt sehr gespannt, ob das anonyme Bewerbungsverfahren sich durchsetzt. In anderen Ländern scheint es ja auch zu funktionieren. Ob man allerdings ein Umdenken erzwingen kann oder ob AGG-konforme Lebensläufe bestenfalls zu “nachgelagerter Diskriminierung” im Anschluss an das Vorstellungsgespräch und damit zu einem Anstieg der Anzahl an Auswahlgesprächen führt, das bleibt abzuwarten.



Kommentar schreiben:

Kommentare (2):

Freitag, 5. November 2010

Egal, wie die Anonymsierung auch aussehen mag, spätestens dann, wenn es um die Auflistung der schulischen Laufbahn und der weiteren Ausbildung wie auch vorhergehenden Tätigkeiten geht, wissen die Personaler (wenn sie nicht allzu dumm sind), wie alt der bzw. die Bewerberin ist. Für mich ist dies also nur eine Pseudoaktion…

Im übrigen stehen in den Zeugnissen die entsprechenden Hinweise (Name, Geschlecht)…. könnten diese Angaben auch anonymisiert werden?

Martina
Mittwoch, 25. August 2010

In U.S.A funktioniert das anonyme Bewerbungsverfahren m.W. einwandfrei…warum also nicht in Deutschland? Interessante Entwicklungen spielen sich hier ab…

Jens