2009
Weiblich, ledig, sucht… Job – Folge 5: Das Arbeitsamt
Beim Arbeitsamt rufe ich erst mal an, um zu wissen, wann ich dort antanzen muss und welche Unterlagen ich dabei haben muss. Ich muss mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hin und muss auf Grund dessen und wegen der schlechten Busverbindung einen halben Tag einplanen, da will ich den Weg nicht unbedingt zweimal machen. Einen Lebenslauf, die Kündigung, einen Personalausweis und meine Sozialversicherungsnummer soll ich mitnehmen, sagt man mir am Telefon. Gut, dass ist ja machbar. Zeit habe ich bis Ende des Monats. Das möchte ich lieber nicht ausnutzen, nachher fehlt doch irgendwas und ich muss noch einmal hin. Direkt am nächsten Tag fahre ich hin.
Als ich im Flur des Arbeitsamtes stehe ist es recht ruhig. Nur eine Person vor mir an der Theke, an der man sich anmelden muss. So verschlafen wie das hier wirkt, ist nichts zu merken von Wirtschaftskrise und Massenkündigungen. Nun ja, aber ich befinde mich ja auch nicht gerade in einer Großstadt.
Ob ich schon mal dort gewesen sei, fragt mich die Dame am Empfang, als ich an der Reihe bin. Ja, letztes Jahr, als ich mich melden musste weil ich noch im befristeten Arbeitsverhältnis war. Die Daten seien aber nicht mehr im System heißt es, man müsse mich von Neuem aufnehmen. Ist ja auch erst 13 Monate her, dass ich dort war. War Deutschland nicht das Land, in dem man alles Mögliche ca. 10 Jahre aufbewahren muss und seine Daten in jeder denkbaren Behörde gespeichert werden?
Die Dame in der Amtsstube – keine einzelnen Büros, die Schreibtische der Bearbeiterinnen sind nur mit Stellwänden voneinander getrennt, schönen Gruß an die Diskretionsfanatiker – nimmt meine Daten auf. Hauptsächlich möchte sie die Stationen meiner beruflichen Karriere wissen. Ob ich einen Lebenslauf dabei hätte? Ja natürlich, das war doch vorgegeben. Die Praktika kann sie leider nicht aufnehmen, also fällt die Hälfte meines Lebenslaufes weg. Die Tätigkeiten an der Uni in der Fachschaft und als Tutorin auch. So schrumpft mein schöner Lebenslauf auf meine jetzige Stelle und mein Volontariat, ein Begriff, der die nette Sachbearbeiterin glatt überfordert.
Dann klärt sie mich darüber auf, dass es hier um zwei Dinge ginge: zum einen die Meldung als Arbeitssuchende (für die weitere Beratung bekäme ich dann noch einen Termin, der wäre dann aber in München) und zum anderen um die Sache mit dem Arbeitslosengeld. Zu jedem der beiden Punkte bekomme ich einen dicken Stapel Papiere in die Hand gedrückt, teilweise zur Kenntnisnahme, teilweise zum Ausfüllen und Zurückschicken, und sogar ein Wisch für den Noch-Arbeitgeber ist dabei.
Auf einem der Zettel steht meine Kundennummer, die ich nun immer dabei haben müsste, wenn ich mit der Agentur für Arbeit zu tun habe. Kundennummer? Wer hat sich denn den Begriff ausgedacht? Naja, was soll’s. Dann habe ich jetzt also noch eine Nummer, neben der Sozialversicherungs-, der Krankenkassen-, der Steuer- und was-weiß-ich-was-für-Nummern.
Zum Schluss teilt mir die Dame mit, dass ich nun jede Änderung, z.B. der Adresse o.ä. der Agentur mitteilen müsste (dafür gibt es natürlich auch ein Formular) und dann stehe ich wieder draußen. Insgesamt war die Prozedur kurz und schmerzlos und meine Sachbearbeiterin war sogar recht nett. Nun bin ich also in die Mühlen der Agentur für Arbeit geraten. Ich bin gespannt, was da jetzt alles auf mich zukommt
