20
Jul
2009

Weiblich, ledig, jung, sucht… Job – Folge 10: Hast Du Urlaub?

San Blas-Panama... Lo mas parecido al paraiso

Eine Frage, die mir momentan ständig gestellt wird, ist die, ob ich gerade Urlaub habe. Klar, warum sollte man sonst morgens um elf oder nachmittags um drei zum Friseur gehen, shoppen oder zum Zahnarzt. Es gibt zwei Möglichkeiten auf diese Frage zu reagieren: Einfach lügen und „Ja“ sagen. Oder die Wahrheit…

Ich entscheide mich fast immer für die Wahrheit. Erstens weil ich einfach ein ehrlicher Mensch bin. Zweitens weil ich vielleicht etwas exhibitionistisch veranlagt bin. (Warum würde ich sonst hier bloggen? Oder ist das eher masochistisch?). Und drittens weil es durchaus amüsant ist, die Reaktionen der Menschen zu beobachten, die einen gar nicht kennen. Wie ich ja schon schrieb, sind die Reaktionen der Menschen eh sehr unterschiedlich. Noch lustiger wird es, wenn man völlig Fremden davon erzählt.

Heute Morgen zum Beispiel habe ich meiner Friseurin davon erzählt, nachdem die Frage nach dem Urlaub kam. Sie war eher der normal-neugierige Typ: „Echt? Ach, das gibt’s ja nicht. Auch wegen der Wirtschaftskrise?“. Diese Menschen finde ich ganz sympathisch, da sie ganz natürlich reagieren, nicht zu viel fragen aber auch nicht direkt ablenken um dem Thema zu entgehen. Ich denke diese Menschen haben zusätzlich noch einiges an Menschenkenntnis und können daher gut reagieren. Eine Subspezies sind die „Ich-kenn-dich-zwar-nicht-aber-aufmunternde-Worte-helfen-immer“-Typen. Das Bekenntnis zur Arbeitslosigkeit erschüttert sie kaum, sie haben direkt einen Spruch wie: „Sie finden bestimmt bald was Neues.“ oder „Wer weiß, vielleicht sind Sie in ein paar Jahren froh darüber, sowas kann ja auch eine Chance sein.“ Auch diese Typen sind mir durchaus sympathisch.

Ein etwas extremerer Typ ist der sensationslüsterne Typ mit sichtbar geheuchelter Betroffenheit. „Oh mein Gott, nein. Das tut mir aber Leid für Sie.“ Und dann wird nach einer Formulierung gesucht, mit der man mir mehr Informationen aus der Nase ziehen kann ohne mir zu nahe zu treten. Diese Spezies scheint förmlich darauf zu warten, dass ich im nächsten Moment in Tränen ausbreche. Sie sind zwar recht unsympathisch. Aber man kann mit ihnen viel Spaß haben, da man ihnen wahlweise dramatische Szenen schildern kann (denen sie mit weit aufgerissenen Augen lauschen) oder sich betont cool geben, was einem dann bewundernde Worte einbringt.

Andere Menschen gehören eher zum „Betroffen-oh-wie-peinlich-wie-reagiere-ich-bloß“-Typ, sprich: Gewollt mitleidsvoller Blick, der je nach schauspielerischem Geschick nicht richtig klappt, schließlich kennt man sich ja überhaupt nicht, gefolgt von Worten wie: „Oh nein, wirklich? Das tut mir aber Leid.“ Danach dann eine dem Gegenüber sichtlich unangenehme Pause und dann schnell der Schwenk auf ein anderes, unverfängliches Thema. Das kann auch ganz drollig sein, indem man einfach weiter über die Kündigung redet und zusieht wie sie versuchen, immer wieder abzulenken.

Etwas Spaß sei einem doch gegönnt, auch wenn man arbeitlos ist, oder?

Eure Julia



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