24
Jul
2009

Weiblich, ledig, jung sucht… Job – Folge 11: Nicht nur „die Arbeitslose“

discokugel

Gestern Abend war ich mit ein paar Freundinnen unterwegs, einige Bars und Clubs in München unsicher machen. Hach, was tut das gut, mal einen Abend lang nicht mehr nur an die Arbeitslosigkeit zu denken, daran, wo man sich jetzt bewerben könnte, wie und wie lange man mit den Finanzen hinkommt, dass man noch neue Bewerbungsmappen braucht, dass noch Kopien von den Zeugnissen angefertigt werden müssen und worüber die Gedanken sonst so den ganzen Tag kreisen. Einen Abend lang nur lachen und tanzen und die Gedanken an diese bescheidene Situation der Arbeitslosigkeit völlig wegschieben. Schließlich bin ich nicht nur „die Arbeitslose“, ich bin auch immer noch Julia.

In den ersten Wochen nach der Kündigung hat man das Gefühl, man ist nur auf dieses eine Attribut reduziert. Man ist arbeitslos. Punkt. Hobbies? Doch nicht jetzt, man hat besseres zu tun. Gespräche drehen sich um dieses Thema, die Gedanken kreisen eh darum. Das man nicht nur „die Arbeitslose“ ist, sondern auch noch „die Sportliche“, „die Hobbyköchin“ oder „die Leseratte“, kommt einem erst später wieder zu Bewusstsein. Dann nämlich, wenn man anfängt, sich reduziert zu fühlen auf dieses eine Wort. Und die Kombination aus dieser Reduzierung und der unverhältnismäßig vielen Zeit führt zu einer massiven Leere.

Erst nach einigen Tagen, vielleicht auch Wochen, fängt man an, sich wieder zu entfalten. Plötzlich fallen mir Dinge wieder ein, die ich schon lange machen wollte. Die vielen Bücher, die man immer schon lesen wollte, werden hervorgeholt. Die Rezepte, die ich immer schon ausprobieren wollte, werden nachgekocht. Und dann fühlt man sich langsam wieder lebendiger. Das heißt nicht zwangsläufig, dass man sich besser fühlt. Es ist immer noch komisch, mitten am Tag, wenn alle anderen arbeiten, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein oder mit einem Buch auf der Couch zu liegen. Aber irgendwie… übergangsweise… isses auch manchmal ganz schön.

Julia



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