Einer der Sätze, die ich inzwischen nicht mehr hören kann, ist der Satz „Bewirb dich doch einfach mal.“ Klar, rein theoretisch kann man das. Man schreibt eine Bewerbung – jedes formulierte Anschreiben übt schließlich – und schickt sie einfach mal ab. Und dann? Dann kommt eventuell eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Und danach vielleicht sogar eine Zusage. Und dann sitzt man da, freut sich, dass es jemanden gibt, der einen tatsächlich einstellen möchte und dass es vielleicht sogar recht schnell geklappt hat, was zu finden.
Aber auf der anderen Seite wollte man den Job ja gar nicht unbedingt. Man hat sich doch „einfach nur mal so“ beworben. Eigentlich passte das Stellenprofil gar nicht richtig… und in die Branche wollte man auch nicht. Aber kann man sich das leisten, jetzt abzusagen? Wo doch momentan das Mantra gilt „Wer einen Job hat, muss heilfroh sein!“ Kann man es tatsächlich wagen, einen Job auszuschlagen, weil man ihn eigentlich nicht machen will, obwohl man arbeitslos ist? Was, wenn ich ihn nicht annehme, und dann finde ich nichts anderes mehr? Nachher ärgere ich mich schwarz über die verpasste Chance. Und was, wenn ich ihn annehme, und dann verpasse ich die Gelegenheit, eine andere, bessere Anstellung zu finden?
Ist es vielleicht doch nicht immer ratsam, sich „einfach mal so“ zu bewerben? Das ist oft das Dilemma: Bewerbe ich mich nur auf Stellen, die mich wirklich interessieren oder auf alles, was irgedwie in Frage kommt? Vermutlich hat da jeder eine andere Schmerzgrenze. Es mag Menschen geben, deren Berufsbild gerade gefragt ist und die jeden Tag Stellenanzeigen finden. Aber die anderen, zu denen ich auch gehöre, haben leider nicht so viel Glück. Man ist froh, vielleicht eine Stellenanzeige pro Woche zu finden, die einen wirklich interessiert.
An diesem Punkt teilen sich die Menschen vermutlich wieder in zwei Lager: in diejenigen, die sich nur bewerben, wenn’s wirklich passt und in Kauf nehmen, eventuell länger arbeitslos zu bleiben. Und die anderen, die so wie ich noch ein wenig weiter nach rechts und links schauen. Gut, vermutlich sind diese beiden Lager nicht strikt getrennt, sondern bilden in ihren Extremformen eher die Endpunkte eines Kontinuums, dass in konvexen Zyklen…äähhh…wie auch immer…wer sich wie ich „einfach mal bewirbt“ steht vermutlich ab und zu vor der schwierigen Frage: Was nun? Habt Ihr eine Antwort???
Eure Julia



Leser-Kommentare (2)
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Frank Freitag, 3. Juli 2009
Meiner Meinung nach sollte man auch mal einen schlechter dotierten Job annehmen. Man hat ja noch eine Probezeit und auch sonst hindert einen niemand daran, sich weiterhin nach dem Traumjob umzusehen und sich weiter zu bewerben.
Andrea Montag, 6. Juli 2009
Mein Kommentar dazu ist folgender: Man weiß nie was drinsteckt. Möglicherweise entpuppt sich der angebliche Traumjob als Katastrophe. Oder eben das Gegenteil passiert. Mein ursprüngliches Credo lautete: Entweder die Kohle stimmt, oder der Spaßfaktor ist hoch. Nachdem das trotz intensiver Suche (macht irgendwann auch keinen Spaß mehr) nichts zu finden war, habe ich widerwillig bei einer Zeitarbeitsfirma angefangen. Schon nach kurzer Zeit wurde ich gleich von der 1. Firma übernommen und bin nach 3 Jahren Betriebszugehörigkeit dort angekommen, wo ich auf direktem Weg nie hingekommen wäre, aber schon immer hinwollte. Ein Happy-end auf Umwegen, aber es hat sich gelohnt.
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