Einige haben sich bis heute nicht gemeldet, obwohl ich es erwartet hätte. Andere, allerdings sehr wenige, haben direkt angerufen. Er wolle nicht in offenen Wunden bohren, und mir etwas Zeit lassen, schrieb ein (Ex-)Kollege, nachdem ich ihn angemailt und von meiner Kündigung erzählt hatte. Eine andere Kollegin, mit der mein Freund am Tag nach meiner Kündigung zufällig Kontakt hatte, sagte ihm ganz offen, dass sie mich zuerst habe anrufen wollen. Aber dann habe sie nicht gewusst, was sie hätte sagen sollen. „Wie geht es dir?“ – Ist doch logisch, dass es mir nicht gut geht.
Vermutlich ist es für andere genauso unangenehm, mich auf das Thema anzusprechen wie mir selbst, anderen davon zu erzählen. Die Frage, wie man reagiert, wenn man erfährt, dass ein Freund seine Arbeitsstelle verloren hat, ist auch sicher nicht einfach zu beantworten. Es ist viel Fingerspitzengefühl gefordert, zudem gibt es mit Vertrautheitsgrad, Länge der Bekanntschaft etc. viele Faktoren, die einfließen.
Auf der einen Seite fühlt man sich direkt nach der Kündigung erstmal isoliert. Schließlich hatte man in seinem Job mit vielen Kollegen zu tun, und diese Verbindung ist plötzlich gekappt. Statt morgens im Büro zu sein und mit den anderen zu sprechen sitzt man alleine in der Wohnung und wünscht sich, man hätte jemanden zum reden. Alle Freunde und Bekannten sind tagsüber auf der Arbeit. Glücklich, wer in dieser Situation Studenten, Freiberufler oder Rentner in seinem Familien- und Freundeskreis hat.
Auf der anderen Seite ist jede Kommunikation nach der Kündigung erst mal schwierig. Es ist schmerzhaft, auf dieses Thema angesprochen zu werden. Man will nicht ständig wiederholen, wie das abgelaufen ist, wie man sich jetzt fühlt, was man jetzt machen will. Schließlich weiß man das teilweise selbst noch gar nicht und braucht Zeit, sich darüber klar zu werden. Ich möchte auch meine Freunde nicht übermäßig mit diesem Thema nerven. Und über andere Themen zu reden fühlt sich erstmal komisch an, über Banalitäten zu reden, wenn da doch gerade dieses mächtige Thema im Kopf hat, das momentan das Leben ausfüllt? Außerdem möchte ich nicht den Eindruck erwecken, das Ganze ließe mich kalt, als stünde ich über den Dingen. Denn dem ist nicht so.
Bleibt vermutlich nur abzuwarten bis die Zeit die ersten Wunden geheilt hat und die Kündigung nicht mehr das Thema Nr. 1 ist. Wenn sich die Nachfragen irgendwann auf ein „Und, was machen die Bewerbungen“ beschränken, dann wird hoffentlich auch das Gespräch mit Freunden wieder leichter.
Julia



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