2008
“Lasst uns froh und munter sein” – So überleben Sie die Weihnachtsfeier.
Alle Jahre wieder kommt die Weihnachtsfeier in der Firma. Doch sind die Glühwein- und Wichtel-Orgien nicht immer nur lustig und frei von (karrieretechnischen) Nebenwirkungen. Wir sagen Ihnen, wie Sie zum Weihnachtsstern am Firmen-Himmel werden und warum private Abrechnungen hier vollkommen fehl am Platz sind.
Egal ob Lachshäppchen im Luxusrestaurant oder Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt –Weihnachtsfeiern sollen vor allem eins: die Unternehmenskultur verbessern und die Mitarbeiter motivieren. Doch nicht selten findet der, der im Glühwein-Glück dem Chef mal zeigt, wer hier eigentlich der Boss ist, am nächsten Tag statt schöner Erinnerungsfotos die fristlose Kündigung auf dem Bürotisch. Doch es muss ja nicht immer der riesengroße Fettnapf sein, auch so lauert auf Weihnachtsfeiern mancher Fallstrick.
Gesellschaftlich glänzen
Reichlich fröhlich-machende Getränke und ein vollgepacktes Buffet – das ist die perfekte Gelegenheit, um sich bei Ihrer Firma mal für die letzte Gehaltskürzung zu „revanchieren“. Wer sich hier die Tupper-Dosen vollpackt und schnell mit dem Barkeeper auf „Du“ ist, sammelt zumindest beim Chef keine Bonuspunkte. Wo Sie im Berufsalltag mit Ihrem Fachwissen auftrumpfen sollten, gilt es hier vor allem gutes Benehmen an den Tag bzw. Abend zu legen. Denn für Ihren Vorgesetzten ist das hier die perfekte Gelegenheit, um zu sehen, ob er Sie zum nächsten wichtigen Geschäftsessen von der Leine lassen kann. Glänzen Sie hier also mit allem, was Freiherr von Knigge in seinem Benehmens-Bestseller niedergeschrieben hat: Seien Sie höflich, befüllen Sie Teller und Glas in Maßen und entschuldigen Sie sich für Missgeschicke – falls sie passieren sollten – entsprechend höflich. Ebenfalls tabu: Annäherungsversuche, die im Extremfall neun Monate später mit einem kleinen Kaiser à la Franz Beckenbauer enden. Bedenken Sie: am nächsten Tag ist die süße Kollegin in Rot wieder die Dame, mit der Sie die Quartalsergebnisse ausarbeiten müssen. Bleiben Sie also trotz Prosecco professionell.
Die Klatsch-Klatsche
Ihre Gedanken darüber, was denn Kollegin XY aus der Buchhaltung wieder anhat oder dass Ihr Beförderungs-Mitstreiter statt dem Golfplatz besser öfter das Fitnessstudio aufsuchen und das Buffet meiden sollte, sollten Sie tunlichst für sich behalten. Denn auf Weihnachtsfeiern funktioniert der Flurfunk noch besser als sonst. Und Sie wollen doch am nächsten Tag nicht als Klatsch-Tante dastehen?
Wer ist hier der Boss?
Endlich ist er da: der perfekte Moment. Nach zwei, drei Glühwein bietet Ihnen Ihr Chef schon fröhlich das „Du“ an und Sie packen endlich das längst überfällige Gespräch zu Ihrer Gehaltserhöhung aus. Mal abgesehen davon, ob sich Ihr Chef am nächsten Tag noch an die „10% mehr“ erinnert, ist das hier der absolut falsche Ort für ein solches Gespräch. Nutzen Sie lieber den Abend, um sich freundlich, aber nicht aufdringlich mit der Sekretärin Ihres Big Bosses zu unterhalten. So haben Sie gleich zu Beginn der neuen Arbeitswoche wesentlich bessere Chancen, um einen der begehrten Termine für das Gehaltsgespräch zu ergattern. Ebenfalls ein absolutes No-Go: über den Chef lästern oder diesem sogar noch offensiv Beleidigungen an den Kopf werfen. Wenn Sie Ihrem Frust hier leicht angeheitert und vor Publikum freien Lauf lassen, müssen Sie nicht nur mit einer Kündigung, sondern auch damit rechnen, dass diese gerechtfertigt ist.
Übrigens: die Weihnachtsfeier endet nicht automatisch mit dem Weggang des Vorgesetzten. Wenn nur noch 20 Prozent der Mitarbeiter anwesend sind, gilt die Weihnachtsfeier danach noch für zwei Stunden als dienstlich. Sollten Sie also innerhalb dieser zwei Stunden auf dem Nachhauseweg einen Unfall haben, sind Sie noch gesetzlich unfallversichert, so urteilte das Sozialgericht Mainz.
